Papyrifunde

 

Seit der Zeit Orson Pratts sind einige der bedeutendsten Entdeckungen in Bezug auf das Neue Testament gemacht worden. In Our Bible and the Ancient Manuscripts, S. 185, finden wir folgende Erklärung: „Es ist schon erklärt worden (S. 40), dass zu den beiden Kategorien von Pergamentmanuskripten, Unciales [abgerundete Großbuchstaben] und Minuscules [Kleinbuchstaben], jetzt eine dritte vorangestellt werden muss, die nur innerhalb der letzten 75 Jahre in Erscheinung getreten ist und in der Tat erst in den letzten 25 Jahren große Bedeutung erlangt hat. Dies ist die Kategorie der Papyri, die der textlichen Geschichte ein neues Kapitel hinzugefügt hat und sogar die Lücke zwischen den Urhandschriften der neutestamentarischen Bücher und der großen Pergament-Unciales überbrückt hat.“ Floyd V. Filson liefert folgende Information in Bezug auf die Papyrusmanuskripte: „…und zwar hat in Ägypten die erdrückende Mehrheit der Papyri überdauert. Es war das trockene Klima und der Treibsand, der verlassene Orte bedeckte, die den Papyri ermöglichten, die Jahrhunderte hindurch zu überdauern, ohne dass Feuchtigkeit sie erreichte. Trotzdem ist fast jeder gefundene Papyrus bruchstückhaft.

Die Bedeutung solcher überdauerten Papyri liegt darin, dass sie alt sind. Fast keine Pergamentmanuskripte von neutestamentarischen Büchern haben aus altertümlicher Zeit überlebt; einige wenige sehr bedeutende, wie der Codex Vaticanus und der Codex Sinaiticus, lassen sich auf das 4. Jahrhundert datieren und wenige andere auf das 5. Jahrhundert, aber es sind die Papyri, die uns die Manuskripte liefern, die weiter zurück als das 4. Jahrhundert reichen. Aber Papyri leiden unter einem ernsthaften Nachteil. Sie sind zerbrechlich, sie verfallen leicht oder werden spröde und zerbrechen in Stücke; und so haben wir bis in unsere Zeit nur eine sehr begrenzte Zahl von Fragmenten von Papyrusmanuskripten der neutestamentarischen Bücher gefunden. Papyrus Bodmer II ist insofern hervorragend, dass so viel von Johannes in ganzseitiger Form erhalten ist.“ (The Biblical Archaeologist, September 1957, S. 55)

Unten befindet sich eine Ablichtung, die aus The Biblical Archaeologist, September 1957, Seite 61, entnommen ist. Diese Ablichtung zeigt „Rylands griechischen Papyrus 457 von ungefähr 125-130 n. Chr., das älteste bekannte Fragment von einem neutestamentarischen Manuskript. Es enthält Johannes 18:31-33 auf der einen Seite und 18:37-38 auf der anderen. Es werden beide Seiten gezeigt.“

 

In Our Bible and the Ancient Manuscripts, S. 189-190, finden wir folgende Information in Bezug auf dieses Fragment: „Dieser Schnipsel, der ungefähr 9 x 6,4 cm misst, befand sich unter einigen Papyri, die 1920 von Dr. B. P. Grenfell für die John-Rylands-Bibliothek in Manchester erworben wurden, aber unbeachtet blieb, bis Mr. C. H. Roberts es als ältestes vorhandenes Manuskript eines Teils des Neuen Testaments identifizierte. Es enthält Johannes 8:31-33, 37, 38 in einer Handschrift, die getrost der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts zugeordnet werden kann. Mitte der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts hätte dieser Schnipsel, wenn er hätte hervorgebracht und sein Datum bestimmt werden können, eine große Sensation hervorgerufen; denn es hätte diejenigen überzeugend widerlegt, die behaupteten, dass das vierte Evangelium nicht vor dem weit vorgeschrittenen 2. Jahrhundert geschrieben worden wäre. Nun sehen wir, dass es nicht nur in Ägyptisch geschrieben war, sondern bis in eine Provinzstadt in Ägypten in der Mitte des 2. Jahrhunderts vorgedrungen war, was weit in Richtung Bestätigung des traditionellen Erstellungsdatums in den letzten Jahren des 1. Jahrhunderts weist.“

Patrick Campbell behauptete, dass das Evangelium des Johannes nicht vor drei Jahrhunderten nach den anderen Evangelien geschrieben wurde: „Die Evangelien des Matthäus, Markus und Lukas müssen zusammen gesehen werden und getrennt vom Evangelium des Johannes. Das letztere gehört zu einer anderen Kathegorie und wurde ETWA DREI JAHRHUNDERTE SPÄTER ERSTELLT.“ (The Mythical Jesus, S. 25-26) Im Lichte der Entdeckung des „Rylands Greek Papyrus 457“ und mehreren anderen bedeutsamen Entdeckungen können Patrick Campbells Argumente nicht aufrecht erhalten werden. J. A. Thompson sagt folgendes in Bezug auf das Rylands-Fragment von Johannes: „Der Schreibstil macht es möglich, es der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts zuzuordnen... die Tatsache, dass es nicht nur in Ägyptisch geschrieben wurde, sondern zu diesem frühen Zeitpunkt in einer Provinzstadt in Ägypten benutzt worden war, weist auf die Tatsache hin, dass Johannes' Evangelium, weit davon entfernt, eine Produktion des 2. Jahrhunderts zu sein, wie einige behauptet hatten, in der Tat viel älter war und wahrscheinlicher im 1. Jahrhundert oder zumindest sehr früh im 2. Jahrhundert geschrieben worden ist.“ (The Bible and Archaeology, S. 437)

 

Frank Moore Cross Jun. ist ebenfalls der Meinung, dass das Rylands-Fragment von Johannes in „die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr.“ datiert werden sollte.“ (The Ancient Library of Qumran, S. 43) Floyd V. Vilson machte folgende Aussage in Bezug auf dieses Fragment: „...es stammt mit Sicherheit aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. und der Schreibstil garantiert ein Datum um etwa 125 oder 130 n. Chr.. Man kann es ein wenig später oder früher datieren. Dies ist das früheste Manuskriptfragment von einem neutestamentarischen Buch und sein Datum steht dem Schreiben des ursprünglichen Evangeliums bemerkenswert nahe.“ (The Biblical Archaeologist, Sept. 1957, S. 56)

William F. Albright, der „einer der vordersten Studenten des antiken Nahen Ostens war“, gab folgende Erklärung: „In der Zwischenzeit hat die sensationelle Veröffentlichung eines Fragments des Evangeliums aus dem frühen 2. Jahrhundert (C. H. Roberts, 1935) und eines Fragments eines apokryphischen Evangeliums, unabhängig von Johannes (H. I. Bell, 1935), aus grob gesehen der gleichen Zeit, allen radikal späten Datierungen von Johannes den Boden entzogen und es hat bewiesen, dass das Evangelium nicht später als im ersten Jahrhundert n. Chr. entstanden sein kann.“ (From the Stone Age to Christianity, von William Foxwell Albright, New York, 1957, S. 388)

 

F. F. Bruce, von der Universität Manchester liefert folgende interessante Information in Bezug auf das Rylands-Fragment von Johannes und andere wichtige Entdeckungen:

 

„Zusätzlich zu den zwei exzellenten MS des vierten Jahrhunderts, wie oben erwähnt, die die frühesten von einigen Tausenden sind, die uns bekannt sind, blieben uns beträchtliche Fragmente von Papyruskopien von Büchern des Neuen Testaments erhalten, die noch 100 bis 200 Jahre früher datiert werden. Die Chester Beatty Biblical Papyri, deren Existenz 1931 bekannt gegeben wurde, bestehen aus Teilen von elf Papyrushandschriften; drei von ihnen enthielten das meiste der neutestamentarischen Schriften. Einer von ihnen, der die vier Evangelien mit der Apostelgeschichte enthielt, gehört zur ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts; eine weitere, die die Briefe des Paulus an die Gemeinden und den Brief an die Hebräer enthielt, wurde Anfang des dritten Jahrhunderts kopiert; die dritte, die die Offenbarung enthielt, gehört zur zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts.

Eine noch jüngere Entdeckung besteht aus einigen Papyrusfragmenten, die von papyrologischen Experten nicht später als 150 n. Chr. datiert werden, veröffentlicht in Fragments of an Unknown Gospel and other Early Papyri...

Noch älter ist ein Fragment einer Papyrushandschrift, das Johannes 8:31-33 enthält, das sich jetzt in John Rylands Bibliothek, Manchester, befindet und auf palaeographischer Grundlage auf rund 130 n. Chr. datiert wurde, was zeigt, dass das späteste der vier Evangelien, das gemäß der Tradition zwischen 90 und 100 n. Chr. in Ephesus geschrieben wurde, in Ägypten innerhalb von ungefähr 40 Jahren seit seiner Erstellung in Ägypten zirkulierte (falls dieser Papyrus, was höchst wahrscheinlich ist, seinen Ursprung in Ägypten hatte, wo er 1917 erworben wurde). Er muss, um ein halbes Jahrhundert, als das früheste noch vorhandene Fragment des Neuen Testaments angesehen werden.

Ein vor noch jüngerer Zeit entdecktes Papyrusmanuskript desselben Evangeliums, während es nicht so alt ist wie der Ryland-Papyrus, ist unvergleichlich besser erhalten; dies ist der Papyrus Bodmer II, dessen Entdeckung 1956 von der Bodmer-Bibliothek in Genua bekannt gegeben wurde; er wurde um 200 n. Chr. geschrieben und enthält die ersten vierzehn Kapitel des Evangeliums des Johannes mit einer Lücke (von zweiundzwanzig Versen) und beträchtlichen Teilen der letzten sieben Kapitel.“ (The New Testament Documents - Are They Reliable? S. 17-18)

 

Bruce M. Metzger liefert folgende interessante Information:

 

„Eines der ältesten beträchtlichen Teile des griechischen Neuen Testaments ist eine Papyrushandschrift des Johannesevangeliums, der Bodmer-Papyrus II... Dem Herausgeber gemäß stammt das Manuskript aus ungefähr 200 n. Chr.... Noch ein weiteres frühes Manuskript, das von M. Bodmer erworben wurde, ist eine einzelne Buchhandschrift von Lukas und Johannes. Sie enthielt ursprünglich ungefähr 144 Seiten, von denen jede 26 x 13 cm maß und von denen 102 entweder ganz oder teilweise überlebt hatten. Die Herausgeber Victor Martin und Rodolphe Kaasser datieren diese Kopie auf zwischen 175 und 225 n. Chr.. Sie sind somit die frühesten bekannte Kopien des Evangeliums gemäß Lukas und eine der frühesten bekannten des Evangeliums des Johannes.“ (The Text of the New Testament, Seite 39-41)

 

Floyd V. Filson sagte: „Die Bodmer-Papyri, von denen berichtet wird, dass sie in Oberägypten gefunden worden sind, müssen mit den Schriftrollen vom Toten Meer unter die bemerkenswertesten Entdeckungen in der archäologischen Geschichte gelistet werden.“ (The Biblical Archaeologist, Mai 1959, Seite 48) In Our Bible and the Ancient Manuscripts finden wir folgende Information:

 

„Wir haben jetzt wesentliche Teile eines Kodex, der die vier Evangelien und Apostelgeschichte enthält, die in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts geschrieben wurden, einen weiteren Brief des Paulus von ungefähr 200 n. Chr., fünfzig Blätter auf einem Originalkodex von 108 Blättern, die Numeri und Deuteronomium aus dem frühen 2. Jahrhundert enthalten, einen winzigen Schnipsel von Johannes selben Datums zusammen mit Fragmenten von Genesis, Deuteronomium, Psalmen, Matthäus und Titus, ebenfalls aus dem zweiten Jahrhundert. Es gibt sogar ein Fragment aus Deuteronomium von einer Rolle aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Somit ist eine beträchtliche Lücke in der Geschichte der Übertragung des Bibeltextes durch die Entdeckung des letzten Jahre ausgefüllt worden.“ (Our Bible and the Ancient Manuscript, Seite 43)

 

„In der ersten Ausgabe dieses Werkes wurde erklärt, dass 'die frühen Papyrusmanuskripte des Neuen Testaments alle zugrunde gegangen sind (es sei denn, dass einige immer noch in der Erde Ägyptens vergraben liegen, was sehr wahrscheinlich ist)'. Diese Wahrscheinlichkeit ist glücklicherweise verwirklicht worden und, wie schon angedeutet worden ist, haben wir jetzt einen schwachen roten Faden der Überlieferung, der an einen Punkt zurückreicht, der nur eine Generation später als das Datum der Apokalypse oder des Vierten Evangeliums liegt. Eine Liste, die von Rev. P. L. Hedley 1933 aufgestellt wurde, zählt 157 neutestamentarische Fragmente auf Papyrus auf (einschließlich Pergamentbruchstücken, die mit den Papyri und Scherben gefunden wurden), und diesen können nun die Chester-Beatty-Manuskripte und andere jüngste Entdeckungen hinzugefügt werden, was die Gesamtzahl auf 170 oder mehr erhöht.“ (Ebd., Seite 162-163)

 

„...wir haben ein fast vollständiges Manuskript des Paulusbriefes, der offenbar ungefähr zu Beginn des dritten Jahrhunderts geschrieben wurde – das heißt, mehr als ein Jahrhundert vor dem vatikanischen und sinaitischen. Es bestätigt nachdrücklich die allgemeine Gesundheit des Textes...“ (Ebd., S. 188-189)

 

Neben Tausenden von griechischen Manuskripten gibt es zusätzliche Beweise für den Text des Neuen Testaments, die man in frühen Übersetzungen in andere Sprachen und in Zitaten in Schriften früher Christen findet (Mehr Information über diese Angelegenheit finden Sie in unserem Buch Mormon Scriptures and the Bible, S. 15-16).

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In diesem Kapitel geht es um die Haltung der Mormonen zur Bibel und um die von Joseph Smith revidierte "Inspirierte Version" der Bibel.
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